Montag, 17. August 2009

Gaststätten & Rauchen

Die TA (Thüringer Allgemeine) beschäftigt das "Gesetz zum Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens". Zu diesem Zweck hat sich Sarah Reuter in 3 (in Worten: drei) Gastronomiebetrieben umgesehen und vermittelt mit ihrem Artikel den Eindruck: "Alles halb so wild." Frau Reuter hat sich zu diesem Zweck schön paritätisch eine (italienische) Speisegaststätte - die mit dem Nichtrauchen naturgemäß relativ wenig Probleme hat -, eine Gaststätte wo man sagen könnte "nochmal Schwein gehabt" sowie eine Gaststätte, die das Gesetz wahrscheinlich in den Ruin getrieben hätte, herausgesucht. Vor diesem Hintergrund ist es gar kein Wunder, wenn sie schreibt: "Nach etwa einem Jahr Nichtraucherschutzgesetz scheinen sich die Wogen des Aufruhrs etwas geglättet zu haben."

Drei. Von wieviel Gaststätten, die Eisenach nochmal hat?
EISENACH
Titel-Thema: Wirte haben sich arrangiert

Sarah REUTER 14.08.2009

[...] An der frischen Luft ist das Rauchen weiter erlaubt.

So im Restaurant "La Grappa": Dort gibt es keinen separaten Raucherraum, aber einen Biergarten. Auf den Tischen stehen jedoch keine Aschenbecher. "Auf Wunsch bekommen unsere Gäste natürlich welche", erklärt Inhaber Pasquale Esposito.
Welch ein Glück! Aber: Völlig logisch. Denn einesteils will er ja nicht auf die Gäste verzichten und andererseits würden diese dann die Kippen auf den Fußboden schmeißen.
[...] "Der versprochene Anstieg der Besucherzahlen in den neuen Nicht-Rauchergaststätten ist zumindest bei uns nicht eingetroffen", berichtet Uwe Erdmann.
Ach nee. :-) Überraschung! Wie naiv mußte man eigentlich sein, um an dieses "Versprechen" zu glauben? An die vielen jungen Muttis, die dann mit ihren Kleinkindern die Gaststätten bevölkern? Grenzenlos naiv? Der Punkt ist eigentlich ganz einfach: Gäbe es einen relevanten Bedarf an Nichtrauchergaststätten, dann hätte es schon seit Jahren Nichtrauchergaststätten gegeben. Das hätte der Markt von ganz alleine geregelt. Die Nichtraucher-Lobby war allerdings völlig unfähig, diesen Bedarf zu vermitteln. Und nur aus diesem Grunde mußte das Ganze dann per Gesetz geregelt werden.

Die Vegetarier waren da weit effektiver: Deren konsquente Nachfrage nach entsprechenden Speisen führte dazu, das sie mittlerweile in kaum einer Gaststätte ignoriert werden. Praktisch jede Speisegaststätte hat Entsprechendes im Angebot.

Die Vegetarier brauchten kein Gesetz, um ihre Interessen durchzudrücken. Die Nichtraucher schon. Das läßt ganz tief blicken.
Seine Gaststätte "Zum Moseberg" in Eisenach-Nord untersagte bereits vor dem offiziellen Gesetz das Rauchen im Essbereich,
Das ist allerdings begrüßenswert. Essen & Rauchen, das paßt einfach nicht zusammen.

In der DDR war das Rauchen in Gaststätten in der Mittagszeit zwischen 11.00 Uhr und 14.00 Uhr untersagt. Und in manchen Gaststätten zusätzlich noch während der Abendbrotzeit von 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr. Und das war auch gut so! Aber 20 Jahre nach dem Fall der Mauer gibt es ja nichts mehr, was gut war in der DDR.
[...] Die Gemütlichkeit des Gesprächs leide schon darunter, wenn man ständig unterbrechen müsse, um den Raum zu wechseln, gibt Erdmann zu bedenken.
Na logisch! Hat eigentlich schonmal Jemand darüber nachgedacht, warum früher auch Nichtraucher in (vollgequalmte) Gaststätten gegangen sind? Weil sie "mußten"? - Quatsch.

Der Grund ist simpel & banal: Raucher sind, in der Summe, einfach die geselligeren, kommunikativeren Menschen. Glaubt man nicht? - Ist so. Das hängt einfach mit den üblichen Ritualen des Rauchens, wie dem gegenseitigen Anbieten von Zigaretten, dem Feuer geben usw. zusammen. Das wirkt oft als Eisbrecher; eine Kommunikation  kommt in Gange. Das Anbieten einer Zigarette ist die moderne Form der Friedenspfeife.

Wer schon einmal diese nichtrauchenden, verknöcherten, sauertöpfisch dreinblickenden, mit sich selber & der Welt unzufriedenen, oft ziemlich hysterischen, genußfeindlichen Moral- und Gesundheitsapostel, die ständig mit erhobenem Zeigefinger durch die Gegend rennen erlebt hat, der weiß, was ich meine.

Außerdem sind viele Raucher ausgesprochene Genußmenschen: Die Zigarette zum Bier - oder zum Kaffee - und die (kleine) Welt ist für diese Leute, im Moment zumindest, in Ordnung. Das schafft Zufriedenheit, Gelöstheit, Lockerheit.

Eine Atmosphäre, die auch Nichtraucher schon immer magisch angezogen hat.
[...] Nach dem 1. Juli 2008 habe man aus der Not eine Tugend gemacht, erzählt der Wirt und das Zimmer [das Vereinszimmer] zum Raucherraum erklärt. [...] Das [etwa 5% Verlust] bestätigt Pasquale Esposito, der neben dem "La Grappa" das gegenüberliegende "Cafe Del Mar" betreibt. Dort hat er einen Raucherraum im Keller eingerichtet.
Raucher werden in Hinterzimmer & Keller verbannt. Weil man auf deren Geld nicht verzichen will. Oder aus welchem Grund sonst?

Viel interessanter ist die Tatsache, das sich viele Raucher dieses Verhalten der Gastronomiebetreiber gefallen lassen.

Ich bin Raucher. Und ich habe überhaupt kein Problem mit Gaststätten, in denen ein konsequentes Rauchverbot gilt. Der Hausherr entscheidet, das respektiere ich. Und ich gehe häufig in derartige Lokale. Aber ich habe ein großes Problem mit Lokalen, in denen Raucher in lieblos eingerichtete Hinterzimmer, Keller und ähnliches verbannt werden. Das sagt viel über die Gaststätte und das Verhältnis des Betreibers zu seinen Gästen aus. Viel zu viel & fast nie was Gutes, wie ich finde. Deswegen meide ich solche Einrichtungen.
[...] In der Kleinkunstkneipe "Schorsch'l" in der Georgenstraße gibt es gar keine Möglichkeiten, einen Extra-Raum für Raucher einzurichten.
Das Schorsch'l war eine der typischen Eckkneipen, die durch das Gesetz praktisch vor dem Ruin gestanden haben. So wie ein paar tausend andere Kneipen bundesweit auch. Das da auch ein paar 10-tausend Arbeitsplätze dranhängen, das hat die Nichtraucherlobby überhaupt nicht interessiert. Ganz im Gegenteil: Da wurde völlig scheinheilig damit argumentiert, daß das ja auch dem Schutz der Beschäftigten diene.

Aber das Bundesverfassungsgericht hat das Gesetz teilweise aufgehoben. Zumindest in Lokalen unter 75 qm, in denen keine selbst zubereiteten Speisen angeboten werden, darf weiter geraucht werden.
[...] Das ist dennoch für "Schorsch'l"-Betreiber Thomas Wotzen ein Erfolg gewesen, denn seine Kundschaft besteht zu 80 Prozent aus Rauchern. Viele sind Stammgäste, die spät am Abend kommen, um ein Bier zu trinken, zu reden und eben eine Zigarette zu rauchen. Und zwar nicht vor der Tür.

[...]
(Ach, Frau Reuter, noch ein kleiner Tip: Der Inhaber des Schorsch'l heißt übrigens Thomas Braun. Wie man hier ganz leicht nachrecherchieren kann.)

Nochwas: Jemand könnte auf komische Ideen kommen und sinnlos herumstressen:

UrhG - Einzelnorm
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Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats, sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist. Zulässig ist dies insbesondere, wenn

  1. [...]
  2. Stellen eines Werkes nach der Veröffentlichung in einem selbständigen Sprachwerk angeführt werden,
[...]

UrhG - Einzelnorm
§ 24 Freie Benutzung
  1. Ein selbständiges Werk, das in freier Benutzung des Werkes eines anderen geschaffen worden ist, darf ohne Zustimmung des Urhebers des benutzten Werkes veröffentlicht und verwertet werden.
[...]

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